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Täfermalereien des 18. Jahrhunderts freigelegt | Dem «Principio Potosí» auf der Spur
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Charlotte Perriand im Museum für Gestaltung
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Dass Charlotte Perriand eine innovative Innenarchitektin und Designerin war, wäre Grund genug, ihr Werk im Museum für Gestaltung vorzustellen. Doch in ihrer Generation war die Pariserin eine Pionierin. Das macht die Ausstellung zum Ereignis. Einige ihrer Möbelentwürfe sind zu so bekannten Klassikern geworden, dass sie buchstäblich jedes Kind kennt: zum Beispiel der Fauteuil LC2 oder die Chaise longue LC4 – wobei LC für «Le Corbusier» steht. Denn Charlotte Perriand hatte die Möbel Ende der zwanziger Jahre im Studio von Le Corbusier und seines Cousins Pierre Jeanneret entworfen, in dem sie ab 1927 für ein paar Jahre tätig war.
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Eine Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich, die später auch im Pariser Petit Palais sowie in Chalon-sur-Saône zu sehen sein wird, fokussiert indes nicht auf Fragen des Copyrights oder auf feministische Aspekte von Künstlerinnen, die von einem berühmten Mann instrumentalisiert werden. Und obwohl die Firma Cassina, in deren Lizenz die LC-Möbel seit den sechziger Jahren hergestellt werden, eine Salle de lecture mit ein paar wenigen, fabrikneuen Perriand-Möbeln präsentiert, wird das Thema der heute so beliebten Stahlrohrmöbel aus Le Corbusiers Atelier nur gestreift. Dies, obschon (oder gerade weil) Co-Kurator Arthur Rüegg das Thema der Stahlrohrmöbel von Charlotte Perriand in verschiedenen Ausstellungen und Publikationen bereits vor langer Zeit erschöpfend erläutert hat.
Fotografische Bildfindung
Gemeinsam mit dem Museumskurator Andres Janser, Perriands Tochter Pernette Perriand-Barsac und deren Gatten Jacques Barsac haben die Ausstellungsmacher vielmehr in die Tiefe eines komplexen Werkes geforscht. In erster Linie sind sie der Frage nach der Bildfindung in der Arbeit von Charlotte Perriand nachgegangen. Welche Bilder standen am Anfang des schöpferischen Prozesses, und wie sind sie in die konkrete Gestaltung von Möbeln, Inneneinrichtungen und Ausstellungspavillons bis hin zu städtebaulichen Entwürfen eingeflossen?
Die Fotografie, erklärt der Kunsthistoriker und Schwiegersohn Jacques Barsac, sei der Schlüssel zum Werk der Gestalterin. Während andere Architekten, Künstler und Designer ständig skizziert hätten, habe Charlotte Perriand fotografiert. Den «Atlas» dieser Bildfindungen habe sie dann auch noch Jahrzehnte später geplündert. Das zeigt sich etwa in der Fotografie eines Sandkarrens am Strand, dessen Form irgendwann in die Gestaltung eines Regals, der Bibliothèque de la Maison de Tunisie, eingeflossen sei.
Der Ausstellungsparcours misst denn auch dem fotografischen Werk Perriands grosse Bedeutung zu. Nach einem Prélude mit den bekannten Stahlrohr-Klassikern aus den zwanziger Jahren gelangt man in einen Saal voller fotografischer Materialstudien: Auf langen Wanderungen mit Pierre Jeanneret und dessen Cousin Le Corbusier, gelegentlich auch mit Fernand Léger, wurden Steine, Schwemmholz und Knochen, aber auch Metallgegenstände gesammelt und im Atelier als stilllebenhafte Etudes fotografiert. Einzelne dieser Objekte sind erhalten und werden in der Ausstellung neben Vintage-Prints und vergrösserten Neuabzügen ebenfalls präsentiert.
Neues Vokabular
Diese Materialstudien führten zu einem «neuen bildnerischen Vokabular», wie Arthur Rüegg es nennt: Fliessende Formen, beispielsweise bei der Gestaltung ihres eigenen, ebenfalls ausgestellten Arbeitstisches, erinnern an die amöbenhaften Reliefs von Hans Arp, an die legendären Nierentische der Fünfziger oder an das heute in der Architektur wieder so gefragte Blob-Design.
Zu Beginn der dreissiger Jahre erwachte Perriands Interesse an Politik. Sie reiste erstmals in die Sowjetunion und liess sich vor Ort über die sozialen Errungenschaften des Landes informieren. Für den Salon des arts ménagers in Paris 1936 schuf sie grossformatige Collagen, mit denen sie die soziale Misere in Paris anprangerte. Umgehend machte sie konkrete Vorschläge, wie ein menschenwürdigeres Leben für unterprivilegierte Zeitgenossen günstig realisierbar wäre. So entwarf sie beispielsweise billige Typenmöbel für die Arbeiterwohnung, die an Deux-Chevaux-Sitze gemahnen – LC-Sessel ganz ohne Chrom und Leder für die arme Familie.
Für die Pariser Weltausstellung von 1937 schuf sie zusammen mit Fernand Léger den Pavillon des französischen Landwirtschaftsministeriums. Zwei monumentale Collagen, ein Modell und die modern-rustikalen Sitzbänke des Pavillons wurden für die Zürcher Schau rekonstruiert. Zusammen mit Originalfotografien der Weltausstellung erhält man einen sinnlichen Eindruck der räumlichen Wirkung.
Vom Carrousel zur Cabane
Und immer wieder Fotografie: Neben Bildern der jungen, sportlichen, modernen Charlotte, aufgenommen meist von Pierre Jeanneret, begegnet man Fotos von Gletschern, Schafen oder Kühen. Dabei galt Perriands Interesse immer wieder auch architektonischen Strukturen: ein Karussell, ein aufgespanntes Fischernetz oder eine Brücke. Das Bild des Karussells, so hat Jacques Barsac herausgefunden, inspirierte seine Schwiegermutter später zu einer Notunterkunft für das Hochgebirge.
Die Ausstellung im Museum für Gestaltung zeigt in herausragender Weise das komplexe Zusammenwirken von Charlotte Perriands Leben und Gestalten. Einziger Wermutstropfen ist das vorläufige Fehlen eines begleitenden Katalogbuches. Für die Pariser Ausstellung im Frühling 2011 soll der Band dann aber greifbar sein. Quelle: NZZ
Zürich, Museum für Gestaltung (Ausstellungsstr. 60), bis 24. Oktober. Ausstellungsgespräche und Führungen siehe www.museum-gestaltung.ch.
24.7.2010
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