Und täglich grüsst das Murmeltier

Mit besten Wünschen für einen erfolgreichen Weg.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger

Und täglich grüsst das Murmeltier. Oder wie war das schon wieder, lieber Doktor der Psycho-Analyse?

Olivenöl bleibt ein Phänomen. Es scheidet wie kein anderes Produkt die schlechten von den guten Menschen. Es macht übrigens den Anschein, dass von den Unsrigen nur wenig übrig geblieben sind.

Bezeichnend etwa sind die vielen Berichte in Zeitschriften wie der Bilanz, die ich mir am Samstag im Kiosk des Stanser Länderparks neben zwei halb ausgefüllten Lottoscheinen gekauft habe. Da steht beispielsweise geschrieben, dass es dem weit über 70-jährigen Schweiz-Brasilianer Jorge Lehmann, der sage und schreibe 29 Milliarden Schweizer Franken schwer sein soll, zusammen mit einem Investorenkonglomerat um den legendären zweihundertsechsundneunzigjährigen Warren Buffet aus Omaha (der Name der Gemeinde verweist auf langes Leben), der seinerseits mehr als 80 Milliarden Dollar sein Eigen nennen soll, nicht gelang, mit Heinz Kraft, an dem er Anteile hält, den niederländisch-britischen Nahrungsmittelgiganten Unilever, seines Zeichens zweitgrösster Nahrungsmittelkonzern der Welt, zu schlucken. Zu gross war der Brocken. Unverdaulich wäre er gewesen. Ein noch grösseres Ungeheuer wäre es geworden, wäre der Zusammenschluss geglückt.

Und ebenso vermeldet die Bilanz, dass die spanisch-französische Danone eigentlich unterbewertet sei, wenn man sie etwa mit der am Lac Léman beheimateten Nestlé vergleiche. Jemand, ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern, weiss nur noch, dass es ebenfalls ein Fonds war, hätte sich jüngst mit 400 Millionen Euro am Joghurtriesen beteiligt und hoffe nun auf saftige Renditen.

Die menschliche Gier ist unersättlich. Sie kann nicht gestillt werden. Man richtet mit der Gier nach Geld und somit auch nach Macht seine eigene Spezies zu Grunde. Und dies nur, um in den sieben bis neun Jahrzehnten, die einem auf dieser blaugrünen Kugel namens Erde bleiben und die übrigens verglichen mit der Milliarden von Jahren währenden Geschichte dieses Planeten nicht einmal gleichbedeutend mit einem Wimpernschlag sind, ein wenig besser gestellt sein zu können als die anderen Mitmenschen. Das ist absurd.

Wie krank ist die Menschheit? Krebs kann nur ein Begleitsymptom unserer eigentlichen Erkrankung sein. Wir selbst sind das Krebsgeschwür. Wir wuchern, ohne jede Grenze zu kennen. Zerstören junges, frisches Gewebe, ohne uns im Klaren zu sein, was das eigentlich langfristig für die Gattung Homo bedeutet. Wir züchten das Übel selbst. In der Schule fängt es an. Wir büffeln Mathematikformeln, die von tausend Menschen im späteren Leben vielleicht 0.2 je einmal brauchen werden, anstatt zu lernen, wie man Karotten zieht oder wie man einem Lamm das Leben nimmt. Unsere Schulen verpassen es, uns auf das Leben vorzubereiten, hingegen tun sie alles, um unser Verschwinden von diesem Planeten ernsthaft zu beschleunigen.

Vergleiche anzustellen ist nicht ganz einfach, dennoch will ich es mit einem einzigen wagen: Während der als Bestie bezeichnete Weisse Hai nur so viel frisst, wie es ihm gut tut und folglich nur die notwendige Anzahl an süssen Robben tötet, schlachten wir Menschen Tiere, beuten Böden aus und fischen Gewässer leer, ohne die daraus resultierende Futtermittelproduktion überhaupt jemals vollständig verwerten zu können. Nur eines zählt. Der Umsatz. Und dass einige Unternehmungen darüber hinaus nun sogar mit "Konzepten" gegen Foodwaste richtig Kasse machen, ist der Beweis dafür, dass es eigentlich ganz schlecht um uns steht.

Irgendwann, die Zeit wird kommen, wird sich der blaugrüne Planet uns entledigen. Und ich bin mir sicher, dass in ein paar zehntausend Jahren niemand mehr vom Homo reden wird. Es wird Gras drüber gewachsen sein. Weideland für Tiere.

Von: Silvan Brun, Master of Oliveoil

27.11.2017

Und in Eurem Geiste. Amen.