Köbi Kuhn nach langer Krankheit 76-jährig verstorben

Köbi Kuhn war einer der grössten Schweizer Fussballer aller Zeiten. Im Alter von 76 Jahren ist der Zürcher gestorben.

Köbi Kuhn erlag am 26.11.2019 im Spital Zollikerberg den Folgen einer langwierigen Erkrankung an der Lunge. Die Fussball-Schweiz verliert damit eine grosse Figur. 2011 war bei ihm eine chronisch lymphatische Leukämie diagnostiziert worden. Ende Oktober 2019 wurde bekannt, dass er auf die Intensivstation verlegt wurde.

«Köbi National» – sein Spitzname sagt viel über den Stellenwert von Jakob «Köbi» Kuhn in der Schweiz aus. Der Mann aus Zürich-Wiedikon war eine Art Nationalgut, eine Vaterfigur. Die Öffentlichkeit nahm ihn als bescheidenen und zurückhaltenden Menschen wahr. Privat offenbarte er jedoch auch Ecken und Kanten.

Kuhn prägte FCZ und Nati

Als Spieler eroberte der FCZ-Spieler in der 60er- und 70er-Jahren die Herzen der hiesigen Fussballfans. Er wurde 6 Mal Meister und 5 Mal Cupsieger. Zu «Köbi National» wurde Kuhn nach der Jahrtausendwende als erfolgreicher Trainer der Nationalmannschaft (2001 bis 2008).

Als Coach nahm er mit der Nati an 3 Endrunden teil:

• EM 2004: Kuhn führte die Schweiz nach einer achtjährigen Baisse an die Endrunde in Portugal. Die Nati schied in der Gruppenphase aus. Unvergessen ist aber die Spuckaffäre um Alex Frei.

• WM 2006: Die Köbi-Elf qualifiziert sich für die Endrunde in Deutschland. Im Achtelfinal scheitert die Schweiz im Penaltyschiessen an der Ukraine. Cabanas, Barnetta und Streller versagen vom Punkt.

• Heim-EM 2008: Die Schweiz hatte als Co-Gastgeber einen Fixplatz inne. Die grossen Erwartungen blieben jedoch unerfüllt. Die Nati schied nach der Gruppenphase aus.

Der «Schweizer des Jahres» 2006 zog danach einen Schlussstrich unter seine erfolgreiche Fussballkarriere. Im April 2019 erschien seine Autobiografie.

Mensch, Köbi! «Zapfenstreich» und Vogel-Episode

Bewegt war Kuhns Leben in vielerlei Hinsicht. Zahlreiche Höhepunkte prägten seine sportliche Karriere. Mit dem Nationalteam nahm er als Spieler an der WM 1962 in Chile und der WM 1966 in England teil. Die Schweiz gewann keinen Match, sollte sich aber bis 1994 nicht mehr für ein grosses Turnier qualifizieren. Im 1. Gruppenspiel 1966 in England gegen Deutschland (0:5) stand Kuhn nicht im Aufgebot. Dies, weil er mit den Teamkollegen Werner Leimgruber und Leo Eichmann den «Zapfenstreich» verpasste. Die Episode ging als «Nacht von Sheffield» in die Nati-Geschichte ein.

Unpopuläre Massnahmen musste Kuhn als Nati-Coach später selber treffen. So bootete er Ciriaco Sforza aus. Als er das gleiche mit Johan Vogel tat, drohte ihm dieser am Telefon Prügel an. «Jetzt steige ich in den Flieger und tätsche dir eins!», waren Vogels Worte.

Kritik musste Kuhn vor allem im Spätherbst seiner Trainer-Laufbahn über sich ergehen lassen. Der damalige SRF-Reporter Matthias Hüppi forderte im Vorfeld der Heim-EM 2008 die Absetzung Kuhns. Sein Führungsstil sei veraltet, lautete der Vorwurf. In einem Punkt waren sich jedoch Beobachter, Experten und Spieler stets einig: Den Menschen Köbi Kuhn mochten alle.

Quelle: SRF

26.11.2019