Immer wieder Sonntags

Wort zum Sonntag – Schönheit mit Segelohren: Nachwuchs bei den Kleinen Kudus im Zoo Basel

Sonntag, 28. Mai 2017

György Ligeti, jüdischer Komponist ungarischer Abstammung und einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts, der als ein Erneuerer der Neuen Musik gilt und dessen Musik u. a. im Film «2001: Odyssee im Weltraum» verwendet wurde, würde heute seinen 94. Geburtstag feiern, wenn er nicht mit 83 Jahren am 12. Juni 2006 gestorben wäre.

Zum heutigen Geburtstag

György Ligeti war ein österreichisch-ungarischer Komponist. Er gilt als einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts und als Repräsentant der Neuen Musik.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Ligeti durch die Verwendung seines Orchesterwerks Atmosphères im Film «2001: Odyssee im Weltraum» von Stanley Kubrick. Der Regisseur setzte weitere Werke Ligetis in seinen Filmen «Shining» und «Eyes Wide Shut» zur musikalischen Untermalung ein.

Ligeti war der Sohn der Augenärztin Ilona Somogyi und des Nationalökonomen und Bankfachmanns Sándor Ligeti. Die Familie seines Vaters, zu der auch der berühmte Geiger Leopold Auer gehörte, hiess ursprünglich Auer, hatte aber um die Jahrhundertwende einer Assimilierungstendenz folgend ihren Namen von Auer zu Ligeti magyarisiert. Dasselbe gilt für die Familie seiner Mutter, die sich ursprünglich Schlesinger nannte. Die Eltern Ligetis waren jüdischer Herkunft, jedoch nicht religiös. Sein Vater, der im Ersten Weltkrieg hoch dekoriert und zum Leutnant befördert wurde, wurde April 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet, sein jüngerer Bruder Gábor im März 1945 im KZ Mauthausen; die Mutter überlebte das KZ Auschwitz-Birkenau.

Ligetis Familie lebte in Cluj. Dort ging er zunächst auf eine ungarische Volksschule, dann besuchte er ein rumänisches Gymnasium. Seine Eltern liessen ihn ab 1936 am Klavierunterricht teilnehmen, und schon nach einem Jahr versuchte er sich an ersten symphonischen Kompositionen. Nach der Matura im Jahr 1941 wollte er Physik und Mathematik studieren, wurde aber aufgrund seiner jüdischen Herkunft abgewiesen. Ligeti begann eine musikalische Ausbildung bei Sándor Veress, Pál Járdányi, Lajos Bárdos und Ferenc Farkas in Musiktheorie und Orgel am Konservatorium von Cluj, das durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch von 1940 inzwischen wieder zu Ungarn gehörte. Er setzte sein Studium später in Budapest fort, musste es aber unterbrechen, da er 1944 zum Arbeitsdienst in die ungarische Armee einberufen wurde. Ligeti geriet in sowjetische Gefangenschaft, aus der er während eines Bombenangriffs auf das Lager fliehen konnte.

Nach dem Krieg nahm er seine Studien wieder auf und schloss sie 1949 ab. Im selben Jahr heiratete er Brigitte Löw, die er 1943 in deren Elternhaus in Klausenburg kennengelernt hatte. Ein Jahr lang arbeitete er als Musikethnologe über rumänische Volksmusik, kehrte dann an seine ehemalige Schule in Budapest zurück, diesmal als Lehrer für Harmonielehre, Kontrapunkt und Musikanalyse. Zu der Zeit schränkte die kommunistische Partei die Kommunikation zwischen Ungarn und dem Westen ein. Ligeti konnte die aktuellen musikalischen Entwicklungen nur durch verrauschte (gestörte) westliche Radiosendungen verfolgen. Rückblickend auf die Zeit schrieb er 1995: „So entstand in Budapest eine Kultur des ‚geschlossenen Zimmers‘, in der sich die Mehrheit der Künstler für die ‚innere Emigration‘ entschied. Offiziell wurde der ‚sozialistische Realismus‘ oktroyiert, d. h. eine billige Massenkunst mit vorgeschriebener politischer Propaganda. Moderne Kunst und Literatur wurden pauschal verboten, die reiche Sammlung französischer und ungarischer Impressionisten im Budapester Kunstmuseum beispielsweise hängte man einfach ab. Nicht genehme Bücher verschwanden aus Bibliotheken und Buchgeschäften (unter anderem wurden auch Don Quijote und Winnie the Pooh eingestampft). Geschrieben, komponiert, gemalt wurde im Geheimen und in der kaum vorhandenen Freizeit: Für die Schublade zu arbeiten galt als Ehre.“

Mehr über unser heutiges Geburtstagskind erfahren Sie hier ...

28.5.2017

Video zum Geburtstag: György Ligeti – Lux Aeterna (1 Hour Loop from «2001: A Space Odyssey»)

Video zum Sonntag: Eurpas Flüsse – Die Elbe

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Saturday-News

Saturday-News
Das Bürgertum von Carl Spitzweg

Das Bürgertum von Carl Spitzweg

Ob Unternehmenssteuerreform III, Altersreform 2020 oder Europa-Politik: Die bürgerlichen Parteien tun sich bei Sachthemen schwer, einen gemeinsamen Nenner zu finden – ganz zur Freude der Sozialdemokraten.

Das Thema: Was hat der Bevölkerung die erste Legislatur-Hälfte gebracht? Wer trägt die Verantwortung für die verlorene Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform III? In welche Richtung bewegt sich das Land in der Europa-Frage und konnte der viel beschworene «bürgerliche Schulterschluss» seine Wirkung entfalten?

Der Rechtsrutsch: Während der National- und Ständeratswahlen hat sich bei den Stimmbürgern ein Slogan ins Gedächtnis gebrannt: der «bürgerliche Schulterschluss». Als die SVP und FDP am 18. Oktober 2015 den Wahlsieg davontrugen, war die Euphorie dort gross. Wirtschaftsvertreter und das bürgerliche Lager träumten davon, die nationale Politik nach ihren Vorstellungen auszugestalten.

Zwei Jahre später scheint von diesem Traum nicht mehr viel übrig zu sein – zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn FDP-Präsidentin Petra Gössi spricht. Sie will den «bürgerlichen Schulterschluss» jetzt vor allem in finanzpolitischen Fragen verstanden haben. Und: «Im Ständerat sind die Mehrheiten SP und CVP – also nicht bürgerlich».

Auch CVP-Präsident Gerhard Pfister will vom Rechtsrutsch nichts wissen. «In der Schweiz gibt es wechselnde Mehrheiten zu wechselnden Themen», sagt er. SVP-Präsident Albert Rösti sieht keinen Anlass, innerhalb der bürgerlichen Allianz Zugeständnisse zu machen. Rösti: «Die Aufgabe der SVP ist es, rechte Positionen gemäss Wählerwillen durchzusetzen».

«In der Schweiz gibt es wechselnde Mehrheiten zu wechselnden Themen.»

Gerhard Pfister, CVP-Präsident

Für die Grünen-Präsidentin Regula Rytz ist der Fall klar. «Natürlich hat es einen Rechtsrutsch gegeben», sagt sie. SP-Präsident Christian Levrat sieht die Lage differenzierter: Die bürgerlichen Parteien würden ihre nichtfunktionierende Mitte-Rechts-Mehrheit im Parlament schönreden. Ausserdem habe der Stimmbürger den Bürgerlichen bei der Unternehmenssteuerreform III eine Lektion erteilt.

Unternehmenssteuerreform III: Martin Bäumle, scheidender Präsident der Grünliberalen, blickt selbstkritisch auf die verlorene Abstimmung zurück. «Wir konnten der Bevölkerung nicht erklären, was wir eigentlich wollten», sagt er. Darüber hinaus sei «der kleine Mann» nicht bereit gewesen, für Steuergeschenke an Grosskonzerne aufzukommen, sagt SVP-Präsident Albert Rösti und stellt sogleich den Zusammenhang zur Masseneinwanderungs-Initiative her: Warum solle der Stimmbürger für Steuererleichterungen an Unternehmen zustimmen, wenn diese zwei Monate zuvor einen Inländervorrang ablehnten. Grüne-Präsidentin Regula Rytz sagt dazu: «Die SVP macht bei dieser Steuerdumping-Politik mit und regt sich danach darüber auf, wenn ausländische Fachkräfte ins Land kommen».

Christian Levrat geht diese Analyse zu wenig weit. Die Stimmbürger hätten den massiven Abbau im Bildungs- und Gesundheitswesen bei der Vorlage zur Unternehmenssteuerreform nicht mittragen wollen. Überdies seien die Bürgerlichen mit ihrer «Masslosigkeit» für die Niederlage an der Urne selbst verantwortlich. «Ich habe in den Kommissionen selbst erlebt, wie sich die Bürgerlichen mit Steuererleichterungsvorschlägen überboten haben», sagt Levrat.

«Ich habe in den Kommissionen selbst erlebt, wie sich die Bürgerlichen mit Steuererleichterungsvorschlägen überboten haben.»

Christian Levrat, SP-Präsident

Altersreform 2020: CVP-Präsident Gerhard Pfister teilt Levrats Sicht. Deshalb habe seine Partei die begangenen Fehler im Hinblick auf die Abstimmung zur Altersreform 2020 korrigiert: «Wir bringen eine Altersreform beim Volk nur durch, wenn wir dafür einen Ausgleich schaffen». Die zusätzlichen 70 Franken seien dieser Anreiz. BDP-Vizepräsident Lorenz Hess wirbt ebenfalls eindringlich dafür, die Vorlage anzunehmen. Hess: «Sonst haben wir ein Debakel».

«Bei der Altersreform 2020 wurde ein linkes Parteiprogramm durchgesetzt.»

Petra Gössi, FDP-Präsidentin

Doch die «bürgerliche Allianz» bröckelt bei der Reform zur Altersvorsorge. FDP-Präsidentin Petra Gössi sagt dazu, ihre Partei strebe weder indirekte Rentenkürzungen noch ein Rentenalter 70 an. Hingegen werde mit der Erhöhung der AHV-Renten eine Zweiklassengesellschaft von Rentnern geschaffen. Ihr Fazit: «Bei der Altersreform 2020 wurde ein linkes Parteiprogramm durchgesetzt.»

SP-Präsident Christian Levrat weist diesen Vorwurf von sich. «Ich habe keine Freude an der Senkung des Umwandlungssatzes und ich habe auch keine Freude an der Erhöhung des Frauen-Rentenalters. Mit einem klugen Kompromiss konnten wir das aber kompensieren».

Europa-Politik: Einen vollends gespaltenen Eindruck hinterlassen die bürgerlichen Parteien beim Thema Personenfreizügigkeit. Die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) will sich von der Personenfreizügigkeit lossagen – und stellt dafür drei mögliche Kündigungsinitiativen zur Debatte.

SVP-Präsident Albert Rösti will sich zwar nicht festlegen, welche der vorgelegten Varianten seine Partei bevorzugt, doch die Haltung der SVP ist klar: «Wir wollen die Personenfreizügigkeit als Prinzip nicht mehr. Wir müssen die Zuwanderung selbst steuern. Und wir lassen uns nicht darauf ein, eine simple Kündigungsinitiative zu lancieren, nur damit diese jemand durch die Hintertüre wieder einführt».

Lorenz Hess von der BDP findet diese Strategie dem Volk gegenüber unehrlich: «Wenn schon, müssen wir das Volk fragen: Wollen wir die Bilateralen noch? Ja oder Nein?».

«Wir wollen die Personenfreizügigkeit als Prinzip nicht mehr. Wir müssen die Zuwanderung selbst steuern. »

Albert Rösti, SVP-Präsident

Martin Bäumle verfolgt einen anderen Ansatz: Das Land müsse die bilateralen Verträge mit der EU weiterentwickeln. «Dafür müssen wir über ein Rahmenabkommen diskutieren», sagt Bäumle. Für CVP-Präsident Gerhard Pfister und SVP-Präsident Albert Rösti steht fest: Das Stimmvolk würde einem solchen Abkommen eine Abfuhr erteilen.

Quelle: SRF

27.5.2017

ARENA

Breaking News

Breaking News

Nach Coop macht sich auch Emmi-Chef Urs Riedener für die Bauern stark. Der Luzerner Milchverarbeiter forderte in der Branche einen höheren Milchpreis. Ein anderer Grosser stellte sich aber dagegen.

Die Hoffnung der Bauern ist verflogen: Der Richtpreis für Molkereimilch bleibt bei 65 Rappen. Das hat die Branchenorganisation Milch (BOM) am Mittwoch entschieden. Die Milchbauern wollten drei Rappen mehr. Doch die Produzenten und Händler blockten.

Bei Emmi sei es zum Bruderkrieg gekommen, schrieb BLICK gestern. Die Bauern, die eine Aktienmehrheit am Milchproduzenten halten, seien an den Managern in Nadelstreifen gescheitert.

Doch Emmi weist den Vorwurf zurück. Emmi-Chef Urs Riedener (52) legt die Karten auf den Tisch. «Wir haben uns an der BOM-Sitzung am Mittwoch klar für die Erhöhung ausgesprochen», sagt er zu BLICK.

Emmi habe kein Interesse an einem tiefen Richtpreis, betont Riedener: «Wir erachten es als wichtig, die Milchproduktion als international stärksten Bereich der Schweizer Landwirtschaft langfristig zu stärken.»

Migros stimmte laut Branchenvertretern dagegen

Damit zeichnen sich die Fronten in der BOM immer klarer ab. Neben Emmi stimmte auch Coop mit den Bauern für einen höheren Milchpreis. Doch das reichte nicht für die benötigte Dreiviertelmehrheit.

Dagegen stimmte unter anderen der wichtigste Player: die Migros. Weil sie auch den Milchverarbeiter Estavayer Lait kontrolliert, darf sie gleich zwei Vertreter in den BOM-Vorstand delegieren. Und die hielten den Daumen runter, wie Branchenvertreter sagen.

Die Migros wollte dies nicht bestätigen. Klar ist: Eine freiwillige Preiserhöhung wie Coop zahlt die Migros nicht. Man halte sich an den gültigen Richtpreis, so eine Sprecherin.

Quelle: Bligg

27.5.2017

Gekommen-um-zu-bleiben News

Gekommen-um-zu-bleiben-News
Von links: George, Lucia, Majida, Markus Zogg und Ihab posieren vor ihrem neuen Imbisswagen in der Bahnhofstrasse

Von links: George, Lucia, Majida, Markus Zogg und Ihab posieren vor ihrem neuen Imbisswagen in der Bahnhofstrasse

Auf dem Gelände der Minoritätsgemeinde eröffnet ein von Flüchtlingen betriebener Imbisswagen. Der Standort an der Bahnhofstrasse 30 gleich neben dem KV verspricht Erfolg.

Ein Sportlehrer und eine Hausfrau aus Syrien, eine eritreische Krankenschwester, ein libanesischer Gastronom und ein Schweizer Theologe eröffnen eine Imbissbude. Nein, das ist nicht der Beginn eines flachen Witzes, sondern ein Paradebeispiel für Integration.

Markus Zogg (37) hat schon länger ein Herz für Flüchtlinge. Seit dreieinhalb Jahren betreibt der Religionslehrer aus Schafisheim nebenbei und ehrenamtlich das Catering «Al Salam». Dort bereiten Flüchtlinge Spezialitäten aus ihrer Heimat zu. Bereits über 100 Mal wurde «Al Salam» schon gebucht. Zuletzt an der Vernissage der Ausstellung «Flucht» im Aarauer Stadtmuseum. «Wir kochen mal für fünf, mal für 250 Leute», sagt Zogg.

Nun will er expandieren und so noch mehr Flüchtlingen einen Arbeitsplatz geben. «Der Imbiss soll ein Sprungbrett für Flüchtlinge in den Schweizer Arbeitsmarkt und weg von der Sozialhilfe sein. Sie sollen ein Jahr Arbeitserfahrung sammeln und dann mit einem guten Zeugnis im Lebenslauf weitervermittelt werden», sagt Zogg.

Essen mit Wirkung

Am kommenden Montag findet die Neueröffnung des Imbisswagens «Palmyra» statt, den Zogg gemeinsam mit den vier Flüchtlingen  Majida, Lucia Ihab und George betreibt. In Anlehnung an die berühmte antike syrische Oasenstadt Palmyra symbolisiert der Imbiss eine kulinarische Oase in Aarau mit exotischen Gerichten aus Syrien.

Seit Mittwoch steht der Wagen an der Bahnhofsstrasse 30 zwischen Minoritäskirche und Tunnelweg. «Eat with impact», esse mit Wirkung, heisst es darauf auf dem Logo von «Palmyra».

Specials an der Neueröffnung

Der Imbisswagen ist von Montag bis Samstag zwischen 11 und 21 Uhr geöffnet. Serviert werden Falafel und Schawarma, der syrische Kebab. Verfeinert wird das Essen durch drei Dipsaucen. Muhammara, Baba Ganoush und Hummus. «Wir machen lieber wenig, dafür aber richtig gut», sagt Zogg.

Am Eröffnungstag wartet «Palmyra» mit zwei Specials auf. Der syrische Künstler Jango Mousa malt ab 15 Uhr live und verkauft anschliessend seine Bilder. Dazu wird Mokka Matari aus Jemen, der laut Zogg «beste Kaffee der Welt» zubereitet und serviert.

Zogg ist in der Kirchenlandschaft gut vernetzt. Davon profitiert er jetzt. Da er seinen Imbisswagen und die beiden Stehtische auf das private Grundstück der Minoritätsgemeinde Aarau stellen darf, braucht es keine Baubewilligung der Stadt.

Zogg würde «Palmyra» nach der anberaumten Testphase von drei Monaten gerne langfristig etablieren. Sein Blick in die Zukunft ist optimistisch: «Wir haben gute Karten. Der Standort ist nicht nur wegen der Handelsschule gleich nebenan top. Pro Tag passieren mehr als 1000 Leute den Ort.» Dennoch muss sich das Ganze auch rentieren. 1200 Franken Tagesumsatz sind das Ziel. Damit könnte «Palmyra» die Kosten für Anhänger- und Platzmiete, Versicherung, Lohn und Material decken. Gelingt das, könnten in Zukunft noch viele Flüchtlinge das Sprungbrett Imbisswagen nutzen.

Quelle: Aargauer Zeitung

27.5.2017

Hair Force One

Yellow News – The Yellow Danger
The Donald in Taormina

The Donald in Taormina

The Bad Boy des Westens

Donald Trump mischt den G7-Gipfel in Sizilien auf. Handel, Klima, Flüchtlinge - der US-Präsident setzt auf Blockade. Wie sollen Merkel und Co. mit diesem Partner umgehen?

Wie findet Donald Trump denn nun die Deutschen? Am besten fragt man Sean Spicer, seinen Sprecher. Der schlendert gerade allein durch die Gassen Taorminas, als eine Gruppe deutscher Journalisten am Tagungsort des G7-Gipfels eintrifft.

Seit Stunden sorgt eine SPIEGEL-Meldung für Furore. Demnach hat Trump im Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk gesagt: "The Germans are bad, very bad." Der SPIEGEL übersetzte bad mit "böse", andere Medien sprachen von "schlecht" oder "schrecklich".

Spicer stellt die Sache nun ganz anders dar: Der Präsident habe einen gewaltigen Respekt vor Deutschland. Trump habe die Ungleichgewichte im Handel zwischen Deutschland und den USA gemeint. Diese seien, so habe Trump gesagt, "unfair". Er habe nie von "bad Germans" gesprochen, sagt Spicer. Das sei falsch berichtet worden. Das habe im übrigen auch der EU-Präsident bestätigt, der ebenfalls bei dem Gespräch dabei gewesen sei.

Vermutlich meint Spicer EU-Kommissionspräsident Juncker. Der hatte allerdings am Vormittag, noch ausserhalb Taorminas, seine Worte sehr genau gewählt: Wenn jemand sage, die Deutschen seien "bad", dann dürfe man das nicht wörtlich übersetzen. Anders ausgedrückt: Trump hat "bad" gesagt, aber es angeblich nicht so gemeint.

Was auch immer Trump gesagt oder gemeint hat: Der Bad Boy beim Treffen der sieben wichtigsten westlichen Industrienationen ist Donald Trump selbst. Das Treffen fand nicht im G7-Format statt, es war eine "Einer-gegen-Sechs"-Veranstaltung. In allen wichtigen Fragen blockierten die USA Fortschritte: In der Handels- und in der Klimapolitik kamen sich Washington und seine engsten Partner nicht näher.

Die Amerikaner brüskierten die Italiener sogar bei einem weiteren Thema, das dem Gastgeber besonders wichtig war. Die Regierung in Rom hatte einen umfassenden Plan zur Bewältigung der Flüchtlingskrise vorgelegt, den Trump blockierte. Lediglich zwei Punkte, in denen es um Grenzsicherung und andere Sicherheitsaspekte ging, wollten die Amerikaner im Abschlussdokument sehen. Anderen Passagen über die Rechte von Flüchtlingen und den Schutz vor Ausbeutung verweigerten sie die Zustimmung.

Merkel muss direkt neben Trump sitzen

Ebenso hart blieben Trump und seine Leute in Handelsfragen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach nach den ersten Gesprächsrunden am frühen Abend von "lebendigen, sehr ehrlichen Diskussionen". Im diplomatischen Jargon ist "ehrlich" eine Umschreibung dafür, dass man ganz unterschiedliche Meinungen hat und daraus kein Geheimnis macht.

Die Kanzlerin musste direkt neben Trump sitzen, das war nicht der begehrteste Platz in der Runde. Sie wurde entschädigt dadurch, dass ihr als anderer Tischnachbar der Kanadier Justin Trudeau zugeteilt war, der jungenhafte, smarte Regierungschef des europäischsten Landes ausserhalb Europas.

Nach dem offiziellen Arbeitstag der Siebener-Runde hat Merkel dann Trump beiseite genommen, um ihm noch einmal die Position der Europäer zu erläutern. Beim Klimaschutz, der für sie als Gastgeberin des G20-Gipfels im Juli auch eine Prestigesache ist, versuchte sie es ebenfalls unter vier Augen mit der Kraft der Argumente. Genutzt hat es zunächst nichts. Die offizielle Position der Amerikaner zum Klima-Abkommen von Paris steht noch immer nicht fest.

Wie weit wird Trump gehen?

Der erste Tag mit Trump verlief in Taormina so, wie es bei diesem Präsidenten häufig ist: Die Erwartungen sind gering, positive Überraschungen bleiben aus. Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn hatte bereits vor den Gesprächen von den Europäern Entgegenkommen im Handelsstreit gefordert und eine sehr kontroverse Debatte angekündigt. Damit sollte er Recht behalten.

Entgegenkommen allerdings darf Trump nicht erwarten. Merkel will hart bleiben Es ist für sie eine andere Situation als in der Frage, ob die europäischen Nato-Mitglieder zu wenig für ihre Verteidigung zahlen. Der Vorwurf ist nicht unberechtigt, auch wenn die Bundesregierung das so nicht zugeben würde. In der Handelspolitik aber geht es um Grundsätzliches.

Dass die USA ihre Interessen in wirtschaftlichen Fragen hart vertreten, ist aus Merkels Sicht nichts Neues. Das haben schon Trumps Vorgänger gemacht. Zum ersten Mal ist die Kanzlerin, und mit ihr ganz Europa, aber mit einem US-Präsidenten konfrontiert, der das gesamte multinationale Handelssystem in Frage stellt. Der Immobilienunternehmer glaubt fest, dass es keine Win-win-Situationen gibt, sondern nur Gewinner und Verlierer.

Für Merkel und die anderen westlichen Partner geht es weiterhin vor allem darum, herauszufinden, wie weit Trump für seinen Glauben zu gehen bereit ist. Wird er wirklich Schutzzölle einführen und einen Handelskrieg riskieren?

Immerhin ein kleiner Erfolg

Wie schwierig das Thema ist, zeigte sich am ersten G7-Tag schon daran, dass die Staats- und Regierungschefs zunächst ganz allgemein darüber diskutierten, wie wichtig der globale Handel ist. Diese Haltung hatte man früher stillschweigend als Konsens vorausgesetzt. Das gilt seit Trump nicht mehr. Man war sich einig, hiess es, dass es einen fairen Handel geben müsse. Nur, was ist fair? In dieser Frage lagen Trump und alle anderen Regierungschefs weit auseinander.

Ein kleiner Erfolg aus deutscher Sicht ist die Verabredung, dass eine deutsch-amerikanische Expertenrunde sich jetzt mit dem Exportwunder beschäftigen soll, über das sich Trump so aufregt. Merkel und ihre Leute sind sicher: In einer einzigen Zahl, dem deutschen Milliarden-Überschuss bei den Lieferungen nach Amerika, zeigt sich nicht das ganze Bild. Sie fragen, wie es zum Beispiel um die in Deutschland erzielten Gewinne von US-Konzernen wie Google oder Apple bestellt ist. Wie deren Bilanzen in die Handelsstatistiken eingehen, will man jetzt genauer wissen.

Es war von vorneherein klar, dass in Taormina nicht über Grundzüge einer neuen Welthandelsordnung geredet würde. Es wäre aus Sicht der sechs Partner der USA schon ein Erfolg, wenn die alte Ordnung nicht schon bald in Trümmern läge. Die ganze Nacht wollte Merkels Sherpa Lars-Hendrick Roller mit seinen Kollegen darum ringen, dass im G7-Abschlussdokument wenigstens ein grundsätzliches Bekenntnis zum Freihandel und seinen Institutionen wie der WTO verankert ist.

Ob ihnen das gelingen wird, ist mehr als fraglich.

Quelle: The SPIEGEL Fake News

27.5.2017

The Donalds erste Auslandreise – «America first» nimmt Konturen an

Trump ist innenpolitisch angeschlagen. Aber es wäre falsch, ihn deswegen aussenpolitisch zu unterschätzen. Auf seiner ersten Auslandreise zwang er widerspenstigen Verbündeten seine Prioritäten auf.

Im Drama um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat sich diese Woche ein Zwischenakt vor wechselnden Kulissen abgespielt: Bedrängt durch die Ermittlungen zur Russland-Affäre und konfrontiert mit wachsenden Zweifeln an seiner Regierungsfähigkeit, hat Trump den Washingtoner Hexenkessel verlassen und seine erste Auslandreise absolviert. Vor dem Hintergrund des innenpolitischen Schlamassels weckte die Reise besondere Spannung: Würde sich die Pannenserie des Präsidenten im Ausland fortsetzen? Würde er dort überhaupt noch als glaubwürdiger Verbündeter auftreten können? Gemessen daran kann Trump mit seiner Tour bis jetzt zufrieden sein. Im Vergleich zum sonst im Weissen Haus herrschenden Chaos wirkten die Auftritte des Präsidenten wohlinszeniert, statt selbstzerstörerischer Twitter-Eskapaden vermittelte Trump kohärente Botschaften. Mehr Klarheit gibt es nun auch darüber, für welche Art von Aussenpolitik er steht. Die schärfsten Ecken seines Wahlprogramms hat er abgeschliffen, die groben Linien bleiben aber dieselben. Was sein Slogan «America first» in der Praxis zu bedeuten hat, lässt sich deutlicher erkennen.

Enger Fokus auf Terrorabwehr

Nicht wie ein klassischer Isolationist tritt Trump in Erscheinung; er setzt durchaus auf Zweckbündnisse, um Amerikas Interessen zu fördern. Aber er verschiebt die Akzente: Der Einsatz für Menschenrechte und demokratische Strukturen gerät aus dem Blickfeld; Priorität hat die Sicherheitspolitik und dabei vor allem die Terrorbekämpfung. Der Besuch in Saudiarabien war diesbezüglich ein dröhnendes Signal. Nie zuvor hatte ein amerikanischer Präsident das Golfkönigreich zu seiner ersten Auslanddestination erkoren. Dass dort Rüstungsgeschäfte lockten, reicht als Erklärung nicht aus. Trump ging es um die Erneuerung der strategischen Partnerschaft mit den Saudi, die unter seinem Vorgänger Obama tiefe Risse erhalten hatte. Dass Obama den Atomstreit mit dem saudischen Erzfeind Iran beilegte und während des Arabischen Frühlings mit den revolutionären Volksbewegungen sympathisierte, sorgte unter den Monarchen am Golf für Alarm und Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA. Dies alles scheint nun vergessen; Trump machte in Riad deutlich, dass er den arabischen Herrschern keine Lektionen über Demokratie halten wird und im Konflikt mit Iran auf ihrer Seite steht.

Das Kalkül hinter der Kursänderung ist nachvollziehbar: Obamas Hoffnung auf eine kooperativere Haltung Irans hat sich zerschlagen; seit dem Atomabkommen ist vielmehr das Gegenteil eingetreten. Iran vertiefte seine Allianz mit Moskau, griff mit seinen Schiitenmilizen im Syrien-Krieg immer unverblümter aufseiten des Asad-Regimes ein und rüstet den israelfeindlichen Hizbullah auf. Da ist das saudische Königreich – auch wenn es ein noch fundamentalistischeres Islam-Verständnis pflegt als Iran – der weniger schwierige Partner. Im Gegenzug erwartet Washington von den Saudi, dass sie härter gegen gewaltbereite Extremisten vorgehen. «Verjagt sie von eurem heiligen Land, verjagt sie von dieser Erde», schärfte Trump seinen Gastgebern ein. Nötig wäre aber auch, dass die Saudi den Export ihrer kruden wahhabitischen Ideologie aufgeben. Immerhin soll künftig ein multinationales Zentrum in Riad helfen, Geldquellen von Terrorgruppen aufzudecken und trockenzulegen.

Trump demonstriert damit dem amerikanischen Heimpublikum, dass er Terrorgruppen wie den IS und al-Kaida konsequenter denn je ins Visier nimmt. Das ist sicher nicht unpopulär angesichts der akuten terroristischen Gefahr, die sich diese Woche mit dem Selbstmordattentat von Manchester einmal mehr bestätigt hat. Denselben Fokus drängt Trump auch der Nato auf. Gegen deutschen Widerstand erreichte er in Brüssel, dass die Nato nun formell der amerikanisch geführten Anti-IS-Koalition beitritt. Das hat unmittelbar keine grossen militärischen Folgen, erleichtert aber die Koordination der Operationen gegen den IS. Zugleich hat der amerikanische Präsident den Europäern das Versprechen abgerungen, jedes Jahr nationale Pläne vorzulegen, um ihre Fortschritte bei der Steigerung der Militärausgaben zu belegen. Wie Schulbuben sollen sie zeigen, dass sie an ihren Hausaufgaben sitzen und Versäumtes nachholen. Auch damit demonstriert Trump den Steuerzahlern in der Heimat, dass er Amerikas Partner in die Pflicht nimmt und es versteht, mit knallharten Verhandlungspositionen Zugeständnisse herauszuholen.

Bei aller Brüskheit legt Trump eine gewisse Vorsicht an den Tag und hat die radikaleren Drohungen aus seinem Wahlkampf bisher nicht wahr gemacht. So fährt er verbal zwar schweres Geschütz gegen Iran auf, aber das Atomabkommen lässt er in Kraft. Seinen Besuch in Jerusalem nutzte Trump zu einer fotogenen Inszenierung an der Klagemauer, auf die versprochene Verlegung der amerikanischen Botschaft in die international nicht anerkannte Hauptstadt Israels verzichtete er aber aus Rücksicht auf das arabische Lager. Auch den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag hat er bisher unterlassen.

Dass Politiker nach ihrer Wahl Pragmatismus walten lassen, versteht sich von selbst. Trump ist da keine Ausnahme. Doch seine taktischen Anpassungen machen aus ihm weder einen «normalen» Präsidenten, noch bieten sie eine Garantie für Erfolg. Besonders für Europa bedeutet der Aufstieg dieses Populisten eine tiefe Zäsur. Seine Weigerung, am Nato-Gipfel Amerikas Beistandspflicht gegenüber den Allianzpartnern anzuerkennen, ist irritierend und zeigt, wie gering er diesen Eckpfeiler der europäischen Sicherheitsarchitektur schätzt. Als «obsolet» beschimpft Trump die Nato zwar nicht mehr. Aber obsolet ist sie in seinen Augen offenbar nur dann nicht, wenn sie ihr Aufgabenfeld auf die Terrorbekämpfung und die Einwanderungsproblematik verlagert. Die von Russland ausgehende Bedrohung – das seit der Krim-Annexion dominierende Thema in der Nato – erwähnt Trump dagegen kaum je. In Bezug auf die aggressive russische Grossmachtpolitik hat er offensichtlich einen blinden Fleck. Das ist merkwürdig und besorgniserregend, und es sorgte in Brüssel für hörbare Dissonanzen.

Ein Rezept für den Abstieg

Geradezu obsessiv in der Weltsicht dieses Präsidenten ist dafür die Vorstellung, dass Uncle Sam übervorteilt wird, von gierigen Handelspartnern ebenso wie von militärischen Verbündeten und bedürftigen Entwicklungsländern. Sie schlägt sich im soeben veröffentlichten Haushaltentwurf darin nieder, dass Trump die Ausgaben für Diplomatie und Entwicklungshilfe um rund 30 Prozent kürzen will. Amerika leistete sich seine Aussenpolitik bisher jedoch nicht aus Grosszügigkeit, sondern weil es das Geschehen rund um den Globus in seinem Interesse gestalten wollte. Dies muss nicht so bleiben, aber ein verringertes Engagement ginge zwangsläufig mit einem Verlust an Einfluss einher. «America first» wäre dann in Wirklichkeit nichts anderes als ein Rezept für den Rückzug – und ein zweitklassiges Amerika.

Quelle: The NZZ Fake News

27.5.2017

The Donalds Schwiegersohn – Wollte Jared Kushner geheimen Kanal zum Kreml?

Wie problematisch waren die Kontakte zwischen Donald Trumps Team und Russland vor dem Amtsantritt? Sein Schwiegersohn soll vorgeschlagen haben, einen abgeschotteten Gesprächskanal einzurichten.

Donald Trumps Schwiegersohn und Berater, Jared Kushner, hat nach einem Bericht der „Washington Post“ die Möglichkeit eines geheimen Kommunikationsdrahtes zum Kreml erwogen. Entsprechende Gespräche habe er im Dezember 2016 – nach der Wahl seines Schwiegervaters zum Präsidenten – mit dem russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak geführt, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungsbeamte, die in der Sache informiert wurden. Quelle sollen russische Aufzeichnungen sein.

Für das Justizministerium prüft der ehemalige FBI-Chef Robert Mueller als Sonderermittler die Frage, ob das Trump-Lager in Verwicklungen mit der russischen Regierung verstrickt war. Kushner hatte sein Treffen mit Kisljak zunächst nicht pflichtgemäss angegeben, dies jedoch später nachgeholt. Das FBI hält ihn nach Medienberichten inzwischen in der Russland-Frage für eine wichtige Person.

Abgeschotteter Kommunikationskanal

Nach dem Bericht der „Washington Post“ soll Kushner vorgeschlagen haben, die russische Botschaft in Washington für die Kommunikation zwischen Trumps Übergangsteam mit dem Kreml zu nutzen. Ein geheimer und sicherer Draht hätte gewährleisten sollen, dass die Kommunikation abgeschottet bleibt.

Bei dem Treffen, bei dem auch Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn zugegen gewesen sein soll, sei auch ein Treffen zwischen einem Gesandten Trumps mit einem russischen Kontakt in einem Drittstaat vereinbart worden. Wer dieser Entsandte sein sollte, wurde aus den vorliegenden Unterlagen nicht bekannt. Die „Washington Post“ hatte jedoch im April berichtet, dass sich Erik Prince, Gründer des privat geführten, einstigen militärischen Sicherheitsdienstes Blackwater und informeller Trump-Berater, auf den Seychellen mit einem Gesandten von Russlands Präsidenten Wladimir Putin getroffen hatte.

Trump-Team soll Unterlagen einreichen

Die „Washington Post“ berichtete unter Berufung auf Quellen in der Regierung auch, dass die Wahlkampf-Organisation von Donald Trump aufgefordert wurde, alle Unterlagen zurückreichend bis ins Jahr 2015 an den Geheimdienstausschuss des Senats zu übergeben. Dies sei das erste Mal, dass ein Senatsausschuss das gesamte Wahlkampflager ins Visier nehme. Bisher seien nur Einzelpersonen Ziel der Untersuchungen gewesen.

Der 36 Jahre alte Kushner ist mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet und berät seinen Schwiegervater in innen- und aussenpolitischen Fragen.

Kushner soll auch in Trumps „War Room“-Team sein

Unterdessen bereiten Trumps Vertraute Insidern zufolge ein spezielles Team vor, das die Vorwürfe über russische Einflussnahme abwehren und Trump im Land besser in Szene setzen soll. Mit dem Sonderermittler sei der Druck gewachsen, eine Gegenstrategie umzusetzen, hiess es in Kreisen des Weissen Hauses am Freitag. Zu dem Team des sogenannten „War Rooms“ soll neben Kushner auch Steve Bannon gehören, der im Wahlkampf Trumps populistisches Sprachrohr war. Bannon und Trumps Stabschef Reince Priebus hätten das Konzept ausgearbeitet, hiess es.

Ein Insider mit engen Kontakten zum Weissen Haus sagte, es werde eine neue Struktur benötigt, um sich der „neuen Realität“ zu stellen. Er bezog sich dabei auf das ständige Durchstechen von Interna aus Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten an die Presse, was seit der Entlassung von FBI-Chef James Comey deutlich zugenommen habe. Es gehe darum, einerseits Trumps eigene Politik voranzutreiben und gleichzeitig die Angriffe abzuwehren. Eine offizielle Stellungnahme zu den Plänen gab es zunächst nicht. Es hiess lediglich, der Präsident wolle den Schwung nutzen, den er aus seiner Auslandsreise spüre. Im Gespräch seien mehr Auftritte Trumps in Amerika ausserhalb der Hauptstadt.

Quelle: The FAZ Fake News

27.5.2017

The Donald and The Schwiegersohn

The Donald and The Schwiegersohn

Hair Force One – «The Very Best Of» From The Yellow Submarine

Bad News

Bad News
«Fuck SVP!» - Das Häuschen fürs Regenrückhaltebecken von Oberwil-Lieli wurde Ziel von Sprayern

«Fuck SVP!» - Das Häuschen fürs Regenrückhaltebecken von Oberwil-Lieli wurde Ziel von Sprayern

Chaoten verwüsten ein Häuschen in Oberwil-Lieli (AG). Gemeindeammann und SVP-Nationalrat Andreas Glarner ist empört. Er wird kommende Session einen Vorstoss zur Bekämpfung von Sprayern einreichen.

Der Gemeindeammann von Oberwil-Lieli (AG) Andreas Glarner ist hässig: «Einmal mehr wurde unser Dorf von linksgrünen Chaoten heimgesucht...», schreibt der SVP-Nationalrat auf seinem Facebook-Profil.

In der Nacht auf Freitag haben unbekannte Sprayer in seiner Gemeinde ein Häuschen besprüht. Sie schrieben «Fuck SVP» und «Lieber 10 Flüchtlinge als 1 Glarner.» Das Häuschen gehört der Gemeinde und beinhaltet das Regen-Rückhaltebecken. Zudem sei auch ein Bus-Wartehäuschen besprüht worden, klagt Glarner.

Jemand aus linksautonomer Szene

Das ist nicht das erste Mal, dass in Oberwil-Lieli sowas passiert. Bereits letzten September hatten Sprayer mehrere Wände und Container besprüht. Damals konnte eine Täterin festgehalten werden - sie besprayte ausgerechnet das Haus einer Polizistin. Laut Glarner stellte sich damals heraus, dass sie aus dem Berner Reitschul-Kuchen stammte. Darum ist auch diesmal für Glarner klar: «Dahinter steckt jemand aus der linksautonomen Szene.»

Glarner will nun dem ganzen einen Riegel schieben. «Ich werde dazu in der nächsten Session einen Vorstoss einreichen», verlautet er gegenüber BLICK. Er will, dass das Sprayen künftig als separater Tatbestand behandelt wird und nicht, wie bis anhin, als Sachbeschädigung. Dann könne man Sprayer endlich härter bestrafen.

Bereits überstrichen

Am Häuschen selbst ist bereits nichts mehr zu sehen. Das Gesprühe sei heute Morgen überstrichen worden, bestätigt Glarner. In Oberwil-Lieli reagiere man schnell und gebe den Sprayern keine Plattform, so der Nationalrat.

Quelle: Bligg

27.5.2017

Ni Hao News

Ni-Hao News
Die dicken Kinder von China

Die dicken Kinder von China

Die wachsenden Gesundheitsprobleme von chinesischen Kindern und Jugendlichen sind nicht mehr zu übersehen. Eine Hauptursache liegt im übermässigen Verzehr von Speiseöl und Zucker. Behörden und Verbände empfehlen daher, auf etwas Salz, Öl und Zucker zu verzichten.

Wie Chinas nationale Rundfunkstation, China National Radio, berichtete, veröffentlichten die Staatliche Kommission für Gesundheit und Familienplanung, das Staatliche Hauptamt für Sport, der Allchinesische Gewerkschaftsbund, der Allchinesische Frauenverband und die Zentralkommission des Chinesischen Kommunistischen Jugendverbunds kürzlich gemeinsam den „Aktionsplan für eine gesunde Lebensweise der Gesamtbevölkerung (2017-2025)“. Liang Xiaofeng, stellvertretender Direktor des Chinesischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten, erklärte, dass 80 Prozent der chinesischen Familien zu viel Speiseöl verbrauchen, und sprach sich für „Weniger Salz, Öl und Zucker“ aus.

Chinesen verbrauchen aktuell durchschnittlich 42,1 Gramm pro Kopf und Tag, und damit viel mehr als die Norm von 25 bis 30 Gramm, die im „Chinesischen Ernährungsleitfaden 2016“ empfohlen wird. Liang sagte, dass aktuell 80 Prozent der chinesischen Familien zu viel Speiseöl verbrauchen. „Die jungen Leute lassen sich heute bevorzugt Essen liefern, das aber oft reich an Öl ist. Andererseits nehmen sie zu viel Fett zu sich, was Hyperlipoproteinämie und Fettleibigkeit verursachen kann, worauf Diabetes und Bluthochdruck folgen können“, so Liang weiter.

Laut dem Ergebnis einer Untersuchung des Körperbaus und der Gesundheit chinesischer Kinder und Jungendlicher haben Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen ziemlich rasch zugenommen. 2014 litten sieben beziehungsweise 5,7 Prozent der Schüler und Schülerinnen an hohem Blutdruck.

Zuckerhaltige Getränke sind die Hauptquelle des wachsenden Zuckerkonsums von Kindern und Jugendlichen. Liang forderte die Schaffung eines zuckerfreien oder zuckerarmen Schulumfelds, damit die Jungendlichen und Kinder weniger zuckerreiche Lebensmittel und zuckerhaltige Getränke konsumieren.

Quelle: Germann China Org.

27.5.2017

Chinesische Nudeln mit Hähnchenbrust

Nature News

Nature News
Rotkehlchen

Rotkehlchen

Es scheint eine schleichende, aber unaufhaltsame Entwicklung: Die Zahl der Vögel in Europa geht dramatisch zurück. Wer ihnen ein schönes Zuhause im eigenen Garten bieten will, sollte diese Tipps beachten.

Die Grünen-Politikerin Steffi Lemke holte kürzlich weit aus. „Die Situation der Vögel ist dramatisch“, sagte sie anlässlich der Vorstellung einiger Daten zur Vogelpopulation. Der Bestand der Kiebitze beispielsweise sank zwischen 1990 und 2013 um 80 Prozent. In der gesamten EU ging die Zahl der Brutpaare auch anderer Arten um 300 Millionen zurück – ein Rückgang um 57 Prozent. Die Bundesregierung hatte auf Anfrage der Grünen hin die Zahlen zusammengestellt.

Es scheint eine ebenso schleichende wie unaufhaltsame Entwicklung. Andere Vogelarten wurden ebenfalls seltener. Die Braunkehlchen-Population sank um 63 Prozent, die der Feldlerchen um 35 Prozent. Bei den Rebhühnern betrug der Rückgang sogar 84 Prozent.

Bei der Erhebung ging es vor allem um Vogelarten, die in landwirtschaftlichen Regionen leben. Der Verdacht: Wegen zunehmender Monokulturen und effizienterer Ausnutzung vieler Flächen auch zwischen den Feldern wird der Lebensraum für die Tiere kleiner. Deshalb gibt es weniger Insekten und damit weniger Nahrung für Vögel. „Es droht ein stummer Frühling“, sagte Steffi Lemke.

Heimische Büsche und Bäume sind besser

Auch in den Siedlungen und in Gärten haben viele Bürger den Eindruck, dass es früher mehr Vögel waren – wobei es dazu nur wenig verlässliche Daten gibt. Dennoch überlegen manche Gartenbesitzer, wie sie eine bessere Umgebung für die Tiere schaffen könnten. Statt nur einer weiten Rasenfläche brauchen Vögel viele Sträucher, Hecken und Bäume. Und das sind am besten Pflanzen, die hierzulande auch in der Natur vorkommen.

„Heimische Pflanzen haben den grossen Vorteil, dass deren Früchte häufiger von Vögeln gefressen werden als die der Exoten“, erklärt Julian Heiermann vom Naturschutzbund (Nabu) in Berlin. „Auch sind die Insekten häufig auf Wirtspflanzen, also spezielle heimische Pflanzenarten, angewiesen.“

Heiermann empfiehlt zum Beispiel für den Garten Liguster, Wildrosen, Weissdorn und Pfaffenhütchen. Auch Schneeball, Vogelbeere, Felsenbirne, Europäische Eibe, Hagebutte und Faulbaum gehören zu den typischen heimischen Gewächsen, die Vögeln viel bieten.

Peter Berthold rät zum unkomplizierten Schwarzen Holunder. „Seine Blüten ziehen extrem viele Insekten an – also die Vogelnahrung“, erklärt der ehemalige Direktor der Vogelwarte vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee. „Dazu zählen auch holunderspezifische Blattläuse, die keinerlei Probleme bereiten werden.“ Und natürlich sind da die Holunderbeeren, die etliche Vogelarten zum Fressen gern haben.

Auch ein dicht gewachsener Efeu an Haus- und Garagenwänden ist ein Vogelmagnet. „Efeu ist ein idealer Schutz und Nistplatz, und er zieht als Herbstblüher sehr viele Insekten an“, erklärt Berthold. Auch seine Beeren helfen den Vögeln: Sie reifen im Frühling heran und können von den Tieren während der anstrengenden Phase der Aufzucht ihrer Jungen vertilgt werden.

Die Tiere brauchen Nistplätze

Auch andere Beerensträucher, Obstpflanzen und in grossen Gärten sogar Streuobstwiesen sind ideal. Berthold rät allerdings, bei grösseren Grundstücken neben Laub- und den dazu zählenden Obstbäumen auch Nadelbäume wie Fichten oder Kiefern zu pflanzen: „Als immergrüne Bäume bieten sie im Winter verschiedenen Vogelarten Schutz.“

Vögel sind also eigentlich ziemlich einfach zufriedenzustellen: Sie brauchen Nahrung und ein Heim. Das alles muss man nicht auf dem gesamten Grundstück bieten – was Freunde des englischen Rasens beruhigen mag. Es empfiehlt sich, in einer Ecke des Grundstücks Sträucher zusammenzusetzen, die Beeren, Samen, Insekten sowie Nistmöglichkeiten bieten. Ornithologe Berthold rät sogar dazu, solche Bereiche sich selbst zu überlassen sowie einige Stellen des Gartens nicht zu mähen.

Sogar abgestorbenes Holz, zu einem Haufen aufgestapelt, ist in einer solchen Ecke noch wertvoll: Es bietet den Tieren eine Versteckmöglichkeit, etwa der Zaunkönig schätzt das. Für grosse Gärten bietet sich auch an, abgestorbene Bäume stehen zu lassen. „Zum Beispiel Spechte, Kleiber und unsere Meisenarten profitieren hiervon“, erklärt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Spechte schlagen Höhlen hinein, die anderen Vogelarten nutzen sie nach deren Auszug.

Der Experte betont daher auch: „Alte Obstbäume sollten bitte nicht gefällt werden. Wenn man waldnah wohnt, kann dann sogar ein Waldkauz einziehen.“ Und gerade alte Bäume seien ideale Plätze für Bruthöhlen.

Plästikkästen als Vogelhäuschen sind im Sommer zu heiss

Aber ein Zuhause für die Tiere kann auch winzig klein sein: ein Vogelhäuschen etwa. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nistkasten angenommen wird, ist gewöhnlich sehr hoch und ein Erlebnis – gerade für Kinder“, sagt Erlwein. Er rät aber, mehrere Kästen anzubieten, auch in verschiedenen Grössen und mit verschieden grossen Einfluglöchern. Jede Vogelart bevorzugt anderes. Hobbygärtner sollten auch an halb offene Nistkästen für Halbhöhlenbrüter denken.

Erlwein empfiehlt, die Boxen in eine Höhe von circa 2,50 Metern zu hängen oder zu stellen. Von Plastikkästen aus dem Handel rät der Experte aber ab. „In ihnen wird es viel zu heiss, und das Gelege kann eingehen.“ Er plädiert auch für Vogeltränken. Sie sollten das ganze Jahr über zur Verfügung stehen: „Im Winter kann ein Stein in das Wasser gelegt werden, damit es nicht so schnell zufriert.“ Im Sommer muss das Wasser häufig gewechselt werden, um eine starke Keimbelastung zu verhindern.

Für Nistkästen, Vogeltränken sowie zusätzliche Futterstellen im Garten ist eines wichtig: „Sie müssen katzensicher sein“, betont Erlwein. „Dies bedeutet, dass drum herum Freiflächen sind, an denen sich Katzen nicht so leicht an die Vögel heranpirschen können.“

Quelle: DIE WELT

27.5.2017

Heimische Singvögel

Good News

Good News
Doris Leuthard - die Göttliche

Doris Leuthard - die Göttliche

Von allen Mitgliedern der Regierung wird Bundesrätin Doris Leuthard der grösste Einfluss auf die Bevölkerung zugeschrieben. Sie ist gut. Aber nicht so gut, wie alle behaupten.

Und da stieg sie zu uns Menschen herab, die Doris. Retterin der Demokratie, Besiegerin aller Atomkraftwerke, eine Gewinnerin, die Beste halt. «Versetzt Ihnen das Ja zur Energiestrategie einen Energieschub?», fragte der Radioreporter am vergangenen Sonntagabend Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) und musste ebenso herzhaft über seine gelungene Frage lachen wie die Bundesrätin.

Das Interview im Radio war der Auftakt einer mittleren medialen Heiligsprechung. Im «Blick» war sie die Super-Doris, die Strahlefrau, die Sonnen­königin! Für die «Weltwoche» die populärste Magistratin seit Adolf Ogi: toll, schlagfertig, sympathisch, klug. Und in der «Aargauer Zeitung», dem Heimatblatt der Bundesrätin, das einst einen Sonderdruck zu Ehren der ersten Bundespräsidentschaft von Leuthard herausgegeben hatte, rief ein Kolumnist die temporäre Monarchie unter Königin Doris I. von Merenschwand aus.

Das war ironisch gemeint, aber so ganz sicher kann man sich da nicht sein. Wer die Berichterstattung nach der Abstimmung über die Energiestrategie verfolgt hat, konnte sich über die Stilisierung der Energieministerin zur einzig entscheidenden Kraft in diesem Abstimmungskampf schon etwas wundern (die Altersreform von Alain Berset soll sie jetzt übrigens auch noch schnell retten). Es war, als hätte man all die Zeit und Ereignisse vor der Abstimmung vergessen.

Die Atomausstiegsinitiative beispielsweise, die im November sagenhafte 46 Prozent Ja-Stimmen erhielt und eine recht solide Ahnung davon gab, dass eine Energiestrategie eigentlich problemlos durch eine Abstimmung kommen sollte. Als die SVP nur mit Ach und Krach das Referendum zusammenbrachte, war das ein weiterer Hinweis auf einen problemlosen Sonntag für Doris Leuthard. Doch Spannung ist halt besser. Und so schrieben die gleichen Medien, die jetzt ganz verzückt Doris Leuthard zur Heiligen erheben, während des Abstimmungskampfs mit der Überbetonung ihrer Umfragen noch etwas Spannung herbei.

Beneidenswerter Instinkt

Der Fehler von Leuthard ist das nicht. Die Art und Weise, wie sie am Sonntagnachmittag die Huldigungen über sich ergehen liess, zeigte einfach einmal mehr: Die Bundesrätin verfügt über einen beneidenswerten politischen Instinkt. Und über den Willen, diesen Instinkt auch einzusetzen. Aus all ihren grossen Abstimmungen – über das neue Raumplanungsgesetz beispielsweise, das Radio- und TV-Gesetz, die zweite Röhre am Gotthard oder den Nationalstrassenfonds – ging sie als Siegerin hervor (immer als «strahlende»). Sie schafft es wie kaum eine andere Bundesrätin, sich solche Abstimmungen zu eigen zu machen und – wenn sie das Projekt so weit hat, dass es nach ihrem Gutdünken mehrheitsfähig ist – dafür zu kämpfen, wie kaum ein Mitglied der Regierung für seine Projekte kämpft. Sie strahlt (und hier stimmt das Wort) eine Lust auf Abstimmungen aus, auf Auseinandersetzungen, auf die grossen Linien und das Klein-Klein ihrer Gegner. Sie ist eine «Machtmaschine», wie es in einem früheren Porträt des TA geheissen hatte, und scheut sich nicht, das auch öffentlich zu zeigen.

Diese Lust macht sie zu jener Bundesrätin mit der besten Aussenwirkung. Macht es sie auch zur erfolgreichsten? Leuthard ist das amtsälteste Mitglied der Regierung, und sie kann eine ansehnliche Bilanz vorweisen: 13 gewonnene Abstimmungen, zwei verlorene (Zweit­wohnungsinitiative, höhere Vignettenpreise). Doch im Vergleich mit der Bilanz der anderen Bundesräte relativiert sich die Sonderstellung von Leuthard. Alain Berset (SP) hat zehn Abstimmungen gewonnen und zwei verloren, bei Johann Schneider-Ammann (FDP) steht das Verhältnis 8:2, bei Guy Parmelin (SVP) 1:0, und selbst der vielgescholtene Ueli Maurer (SVP) hat mit 3:2 noch eine knapp positive Bilanz. Einzig Didier Burkhalter rutscht mit einem Sieg und zwei Niederlagen ins Minus.

Selbst Simonetta Sommaruga (SP), die momentan die heikelsten Dossiers zu betreuen hat, weist eine positive Bilanz auf: Achtmal hat sie eine Abstimmung gewonnen, fünfmal verloren. Zu den Niederlagen gehören die beiden Ausschaffungsvorlagen, die Masseneinwanderungsinitiative der SVP, die Pädophilen- und die Abzockerinitiative. Alles Projekte, bei denen die SVP in den vergangenen Jahren ein leichtes Über­gewicht erhalten hat.

Eine Regel ad personam lässt sich aus dieser Auswertung kaum ablesen; und gerade darum ist es bemerkenswert, dass Doris Leuthard im Moment als so viel besser gilt als ihre Regierungskollegen. Sommaruga und Berset kommen ihr wahrscheinlich nahe, was den politischen Instinkt angeht. Aber niemals in Sachen Image.

Die Doris aus Merenschwand

Und weil vieles Image ist, geht die qualitative Dimension dieser Bilanz manchmal vergessen. Was ist die grössere politische Überraschung? Ein Ja zu einem bis zur Unkenntlichkeit austarierten Nationalstrassenfonds oder ein deutliches Nein zur Durchsetzungsinitiative der SVP, die von Sommaruga betreut wurde? Setzt Leuthard ihr politisches Kapital wirklich richtig ein? Für die mutigen Projekte, die schwierigen und heiklen? Warum hört man von ihr, die in diesem Jahr ja Bundespräsidentin ist, beispielsweise nichts zur alles entscheidenden Europafrage?

Dabei würden die Leute auf sie hören. Doris Leuthard bedient die Sehnsucht der eigentlich republikanischen Schweizerinnen und Schweizer nach der einen Figur, die einem den Weg weist. Und dabei nicht nur charmant ist, sondern auch noch bodenständig bleibt. Leuthard redet kein geschliffenes Hochdeutsch (jedenfalls nicht, wenn es darauf ankommt), sie ist immer noch für alle die Doris aus Merenschwand. Sie ist das, was die Menschen in der Schweiz für authentisch halten, sie ist erfolgreich, und manchmal ist sie sogar lustig. Und darum mögen sie die Leute.

Diese Popularität sagt viel über die Person Doris Leuthard aus. Und genau so viel über ihre Mitstreiter im Bundesrat. Offenbar genügt es in der Schweiz, etwas Lust an der politischen Auseinandersetzung zu zeigen und einigermassen fehlerfreies Hochdeutsch zu sprechen, um im Bundesrat als Star zu gelten. Als strahlender Star, versteht sich.

Eine Schlappe auf drei Siege – Volk folgt Bundesrat seltener

Bundesrat und Parlament tüfteln in Bern Lösungen aus, das Volk sagt Ja und Amen. So sehen viele die Schweizer Demokratie. Doch dieses Bild entspricht längst nicht mehr der Realität. Bei jeder vierten Abstimmung entscheidet das Volk gegen die Position der Regierung. Dies zeigt eine Auswertung aller 57 Urnengänge (Vorlagen, Volksinitiativen und Referenden), welche die sieben amtierenden Bundesräte in ihrer Laufbahn bestritten haben. In 44 Fällen setzte sich der Bundesrat mit seinen Argumenten durch. In 13 Fällen (rund 23 Prozent) vermochte er die Mehrheit der Stimmbevölkerung jedoch nicht zu überzeugen.

Die individuelle Bilanz der Bundesräte sieht je nach Amtszeit und Departement sehr unterschiedlich aus. Doris Leuthard hat in 15 Kampagnen nur zwei Niederlagen einstecken müssen. Andere Bundesräte haben eine ähnlich gute Bilanz. So hat Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann acht Abstimmungen gewonnen und nur zwei verloren, eine davon ist die Masseneinwanderungs­initiative der SVP, die in der individuellen Bilanz auch bei Aussenminister Didier Burkhalter und Justizministerin Simonetta Sommaruga als Niederlage verbucht wird. Dies, weil die drei Bundesräte in diesem Fall gemeinsam Kampagne betrieben haben.

Quelle: Tages-Anzeiger

27.5.2017

Abstimmung vom 21.5.2017: Energiegesetz - Reaktion von BR Leuthard

News vom Bosporus

News vom Bosporus
Bülent Mumay

Bülent Mumay

So geht es derzeit in der Türkei zu: Wer seinen Job zurückfordert, kommt in Haft, wer seinen Sohn begraben will, erhält eine Geldstrafe. Von Bülent Mumay

Am vergangenen Sonntag ist in Ankara ein Parteikongress der AKP abgehalten worden. Es ging darum, den Staatspräsidenten nach dem umstrittenen Verfassungsreferendum wieder als Parteivorsitzenden zu inthronisieren. Der Slogan der AKP-Veranstaltung lautete „Demokratie, Wandel, Reform“, und natürlich hielt Erdogan eine seiner feurigen Reden, in der er all das versprach – ganz so, als regiere nicht er selbst seit 15 Jahren das Land. Erdogan kündigte ausserdem an, dass der gegen den Putsch verhängte Ausnahmezustand nicht so bald enden werde: „Es wird gefragt, wann der Ausnahmezustand endet. Er wird nicht enden. Warum sollte der Ausnahmezustand aufgehoben werden, bevor dieses Land Frieden und Wohlstand erlangt?“, sagte Erdogan. Er überlässt es nun uns zu überlegen, wann die Türkei „Frieden und Wohlstand“ erreichen wird.

Während Erdogan seine Rede hielt, kämpften die beiden Lehrer Nuriye Gülmen und Semih Özakça, die im Zuge des Ausnahmezustands entlassen worden sind, vor dem Menschenrechtsdenkmal in Ankara mit dem Tod. In den Minuten, da Erdogan nur wenige Kilometer von ihnen entfernt Wandel, Demokratie und Reformen versprach, neigte sich der 74. Tag ihres Hungerstreiks dem Ende. Die beiden fordern, wieder eingestellt zu werden. Erst wenn das passiert, wollen sie wieder Nahrung zu sich nehmen. Der Rechtsweg ist ihnen versperrt, um ihre Arbeitsplätze zurückzubekommen. Darauf hoffen, dass ihnen jemand alternative Stellen anbietet, können sie nicht. Genauso wenig können sie aus der Türkei ausreisen. Ihre Zukunft steht unter einer schweren Hypothek. Sie haben sich für den Hungerstreik entschieden als letzte Möglichkeit der Verzweifelten, um gehört zu werden.

Nuriye Gülmen und Semih Özakça sind nur zwei von Zehntausenden Menschen, die nach dem Putschversuch per Dekret entlassen worden sind. Der 75. Tag ihres Hungerstreiks hatte gerade begonnen, als sie zu spüren bekamen, von welcher Art von Demokratie Erdogan auf dem AKP-Parteikongress gesprochen hatte: Polizisten brachen die Tür zu ihrer Wohnung auf und nahmen die beiden fest. Sie wurden, körperlich stark geschwächt und dem Tode nah, in eine Gefängniszelle gesteckt. Der Staatsanwalt, der die Festnahmen angeordnet hat, wirft den beiden, die nur ihre Arbeitsplätze zurückhaben wollen, vor, „einen Aufstand wie die Gezi-Proteste anzetteln zu wollen“.

Weitere Festnahmen folgten. Auch das Menschenrechtsdenkmal, vor dem Nuriye Gülmen und Semih Özakça ihren Hungerstreik abgehalten hatten, ist gewissermassen in Gewahrsam genommen worden. Mehrere tausend Menschen waren mittlerweile täglich dorthin gekommen, um sich mit den Hungerstreikenden zu solidarisieren. Die Polizei umzingelte das Denkmal, so dass sich ihm niemand mehr nähern konnte, und sammelte die dort abgelegten Blumen ein.

Auch der Soziologe Veli Saçilik, der wie Gülmen und Özakça im Zuge des Putschversuches aus dem öffentlichen Dienst entlassen worden ist, wurde vor dem Menschenrechtsdenkmal verhaftet. Ich habe an dieser Stelle schon einmal von ihm berichtet: Veli Saçilik sass im Jahr 2000 in einem Gefängnis, in dem ein Aufstand ausbrach. Die Polizei schlug ihn nieder, indem sie mit Bulldozern die Gefängnismauern einreissen liess – Saçilik wurde dabei ein Arm amputiert. Dem noch verbliebenen legte die Polizei vor dem Menschenrechtsdenkmal, zu dem auch Sacilik aus Solidarität gekommen war, Handschellen an. Seine siebzig Jahre alte Mutter wurde von Polizisten über den Boden geschleift.

Menschen, die ihre Jobs zurückfordern, verhaftet der Staat. Gegen einen Vater, der die sterblichen Überreste seines Sohnes einfordert, hat er eine Geldstrafe verhängt. Murat, der Sohn von Kemal Gün, war Mitglied in einer bewaffneten marxistischen Organisation und wurde zusammen mit zehn Gleichgesinnten bei einem Luftangriff des türkischen Militärs am 7. November 2016 getötet. Als Kemal Gün vom Tod seines Sohnes erfuhr, ging er zu der Stelle, wo die Bombardierung stattgefunden hatte. Er wollte den Leichnam seines Sohnes holen, fand aber nur Überreste, die er eigenhändig einsammelte. Der Staat nahm sie Kemal Gün aber wieder weg. Er beschlagnahmte die Leichenteile. Kann es einen grösseren Kummer geben?

Der siebzig Jahre alte Mann sah als einzigen Ausweg, in den Hungerstreik zu treten. Drei Monate lang zelebrierte er ihn öffentlich, in einem Park der Stadt, in der sein Sohn gestorben war. Dem Staat gefiel das gar nicht. Er fügte dem seelischen Kummer des Mannes deshalb noch materiellen zu. Er verhängte eine Geldstrafe von etwa 5000 Euro gegen Kemal Gün, da er sich seine Aktion nicht hatte genehmigen lassen. In den Minuten, da ich diese Zeilen schreibe, hat die Regierung bekanntgegeben, Kemal Gün werde die sterblichen Überreste seines Sohnes Murat bekommen. Sie werden ihm nicht persönlich übergeben. Sie werden ihm per Post zugestellt.

Aus diesem von „Demokratie, Wandel, Reform“ überschäumenden Land ist offenbar alles Mitgefühl gewichen. Auch der letzte Rest von Gewissen, den es noch gab, ist verschwunden.

Quelle: FAZ

27.5.2017

Eine Frau gegen Erdogan

Exzellent News

Exzellent News

So scharf wie nie werden auf dem Kirchentag Missstände im Islam angeprangert – von Muslimen. Die Argumente von Ditib verfangen nicht. Ein Forscher sieht ein „kollektives Verdrängen“ beim Gewaltpotenzial der Religion.

Es brauchte wohl einen Muslim, um die Christen von einer ihrer beliebtesten Relativierungen abzubringen. Nur ein Anhänger des Islam hat offenbar genug Überzeugungskraft, um Protestanten klarzumachen, dass sie bei Debatten über muslimische Gewalt nicht immer sofort auf Gräuel in der eigenen Geschichte verweisen sollten. Diesen Verweis gab es auch jetzt wieder, als auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin über die Gewaltaffinität des Islam diskutiert wurde. Da wurde aus dem Publikum in der Sophienkirche alsbald auch an Schandtaten von Protestanten und Katholiken erinnert.

Heftig zurückgewiesen aber wurde dies von dem Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi. Für Muslime könne an der christlichen Gewaltgeschichte „nur der heutige Umgang mit dieser Vergangenheit“ interessant sein, sagte Ourghi und meinte damit die selbstkritische Auseinandersetzung der Christen mit ihrer Geschichte. Diese Selbstkritik aber fehle im Islam.

Deshalb hätten Reformmuslime überhaupt nichts davon, wenn dem islamischen Schrecken immer der christliche an die Seite gestellt werde. „Sie helfen uns nicht mit diesem Vergleich“, rief Ourghi ins Publikum – und erhielt grossen Beifall. Das Thema dürfte fürs Erste abgeräumt sein. Dies war jedoch nicht die einzige Debattenveränderung auf einem Kirchentag bei diesem Thema. Neu war vielmehr auch und vor allem, wie vehement und unverhüllt vielerlei Defizite des Islam angesprochen wurden – und zwar in einer Debatte unter Muslimen.

„Das radikale Böse“ diagnostizierte Ourghi in seiner Religion. Ourghi sprach von „Herrschsucht und Zerstörungslust“ unter Muslimen. Ein „kollektives Verdrängen“ sei es „zu behaupten, der Islam habe nichts mit Gewalt zu tun“. Und in deutschen Moscheen, so Ourghi weiter, werde gegenüber Kindern und Jugendlichen eine „Pädagogik der Unterwerfung“ praktiziert, die der „Vorradikalisierung“ diene.

Frontal attackiert war damit der grösste deutsche Moscheeverband, die vom türkischen Staat abhängige Ditib, deren Generalsekretär Bekir Alboga ebenfalls anwesend war. Alboga versuchte mit einer Strategie zu kontern, mit der er bisher meist erfolgreich war. Nämlich damit, dass er Ourghis Vorwürfe als „unwissenschaftlich“ abtat und auf angeblich freundliche Traditionen des Islam verwies, von denen es doch mehr als genug gebe. Und in Deutschland, so Alboga weiter, achte Ditib strikt auf Treue zum Grundgesetz. Im Übrigen sei es gefährlich, den Islam „schlecht darzustellen“. Denn das würde „die Islamophobie stärken“.

Aber dieses Mal verfing Albogas Strategie nicht. Waren er und andere Ditib-Vertreter auf früheren Kirchentagen meist als Gesprächspartner im christlich-muslimischen Dialog eher geschont worden, so geriet Alboga dieses Mal zusehends auf die Anklagebank. Scharf setzte ihm Ourghi zu („Sie haben offenbar keine Ahnung von dem, was in Ihrem Verband passiert“), und auf Distanz zu Ditib ging auch Nushin Atmaca als Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes. Hinzu kamen so sachliche wie beharrliche Nachfragen des kundigen Moderators Friedmann Eissler von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

So beschrieb Eissler, nachdem Alboga die Propagierung der Scharia als zivilrechtlicher Verhaltensvorschrift weit von sich gewiesen hatte, ein Büchlein, das auf Ditib-Büchertischen ausliege. Detailliert, so Eissler, würden darin Scharia-Regeln dargestellt, nach denen muslimische Frauen über ihre Heirat keineswegs selbst bestimmen dürften, sondern dazu erst die Erlaubnis einiger Verwandter einholen müssten.

Alboga antwortete, es sei nicht verboten, alte Texte neu zu drucken, schliesslich werde „auch die Bibel mit ihrer Gewaltverherrlichung nachgedruckt“. Was Eissler anspreche, seien Klischees. „Weg mit diesen Schablonen“, rief Alboga. Darauf Eissler: „Schablonen habe ich jetzt bei Ihnen gehört.“ Starker Beifall für Eissler.

Früher war harte Islam-Kritik hier verpönt

Dieser Publikumszuspruch ist insofern bemerkenswert, als Besucher früherer Kirchentage es gar nicht gern hörten, wenn muslimische Verbandsvertreter auf den Veranstaltungspodien hart kritisiert wurden. Gegeben hat es solche Kritik durchaus. Denn höhere Amtsträger der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) äussern sich anders als viele Katholiken schon seit Längerem unverdruckst über Missstände im Islam.

Aber als 2007 der damalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber auf dem Kirchentag in Köln den Zentralrat der Muslime mit der katastrophalen Menschenrechtslage in vielen islamischen Ländern konfrontierte, ging das vielen Protestanten im Publikum deutlich zu weit.

Jetzt aber werden solche Hinweise von der grossen Mehrheit unterstützt. Dazu wird beigetragen haben, dass die Nähe der Ditib zum türkischen Staat seit der Entdemokratisierungspolitik von Präsident Erdogan auch den Protestanten immer suspekter wird. Mit ironischem Grinsen jedenfalls wurde in Berlin aufgenommen, wie Alboga die Türkei zum Musterland islamischen Reformstrebens auszurufen versuchte.

Schon unter Atatürk, so Alboga, sei ja in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts die Trennung von Kirche und Staat vollzogen worden. Eissler aber fragte, warum Alboga denn dann heute, wo Erdogan die Türkei zu islamisieren versuche, „kein Fundamentaloppositioneller“ sei. Das liess Alboga unbeantwortet. Was freilich dazu führte, dass die Türkei in dieser Runde eben nicht als Vorbild bei der Reform des Islam herangezogen wurde.

Martin Luther jedoch wurde auch nicht zum Vorbild. Zwar lautete der Titel der Veranstaltung „Braucht der Islam eine Reformation?“. Recht schnell aber bestand Einigkeit, dass dabei wohl kaum an das zu denken ist, was vor 500 Jahren in der lateinischen Christenheit mit Luthers Thesenveröffentlichung begann. Schon weil die lutherische Reformation ja per se auch nicht freiheitlich-demokratisch und gewaltfrei war.

Aber auch deshalb, das zeigte Nushin Atmaca, weil der Islam ganz anders strukturiert ist als damals der Katholizismus und weil zudem Luther eine Rückkehr zu den Wurzeln propagierte, die im Islam hoch problematisch sein kann. Denn auch Salafisten und andere Radikale erklären den heutigen Islam für deformiert und degeneriert, weshalb er unbedingt ganz streng an Mohammed ausgerichtet werden müsse. Das kann niemand wollen.

Stattdessen müsse man sich im Islam, so Ourghi, endlich „vom dogmatischen Prophetenbild lösen“ und dabei vor allem darauf beharren, dass die oft brutalen Koran-Aussagen über Mohammeds Zeit als Feldherr und Politiker „für keine Zeit“ mehr gültig sein könnten.

Weiterhin müssten die wissenschaftlichen und pluralistischen Traditionen des Islam nicht einfach genannt, sondern gewürdigt und ernst genommen werden. Aber so, „dass man sich nicht an den alten Zeiten orientiert“. Vielmehr müsse man die Vernunftstraditionen des Islam mit der europäischen Aufklärung und Moderne verbinden. „Es geht um den Gebrauch der Vernunft gegen den Geist der Fremdbestimmung“, sagte Ourghi und stellte an den Anfang jeder Reform die Selbstkritik. Dafür hat der Kirchentag den Muslimen ein Podium gegeben.

Quelle: DIE WELT

27.5.2017

Vier Bücher, die man gelesen haben sollte

«Kampf der Kulturen» ist ein politikwissenschaftliches Buch von Samuel Huntington, das den Untertitel «Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert» hat. Das amerikanische Original erschien 1996 als «The Clash of Civilizations» und war die Erweiterung eines gleichnamigen Artikels (der aber mit einem Fragezeichen versehen war), den Huntington 1993 in der Zeitschrift «Foreign Affairs» veröffentlicht hatte. Das Buch enthält die Hypothese, dass es im 21. Jahrhundert zu Konflikten zwischen verschiedenen Kulturräumen, insbesondere der westlichen Zivilisation mit dem chinesischen und dem islamischen Kulturraum, kommen könnte. Das Buch wurde vielfach aufgelegt und übersetzt, führte zu kontroversen Diskussionen und wurde von Politikwissenschaftlern von Beginn an heftig kritisiert.

«Die Rückkehr der Religionen»

Die Religionen sind weltweit auf dem Vormarsch. Sie werden - auch im Westen - zunehmend zu einem politischen und moralischen Machtfaktor. Der religiöse Fundamentalismus, ob er nun christlich ist oder islamisch, spielt dabei eine herausragende Rolle. Martin Riesebrodt entwirft hier eine Religionstheorie, die den Zusammenhang von Religion und Moderne erklärt, und geht den kulturellen, sozialen und ökonomischen Entstehungsbedingungen und Auswirkungen des Fundamentalismus nach. Besonderes Augenmerk gilt dem patriarchalischen Grundzug fundamentalistischer Bewegungen und der Frage, warum sich trotzdem gerade Frauen in diesen Bewegungen engagieren. Aus diesen Untersuchungen ergibt sich ein überzeugendes Gegenszenario zu Huntingtons "Kampf der Kulturen". («Die Rückkehr der Religionen» – C. H. Beck Verlag – ISBN 9783406459283)

«Söhne und Weltmacht» – Terror im Aufstieg und Fall der Nationen

"Koffer packen" laute Gunnar Heinsohns Empfehlung für alle Europäer unter 40, verrät Rezensent Mohssen Massarrat, denn nur so könne man den mit Sicherheit kommenden Krieg gegen 350 Millionen jungen Islamisten überleben. Kriege entstünden heutzutage, so die steile These Heinsohns, durch einen Bevölkerungsüberschuss an jungen Männern ohne Zukunftsperspektive. Als "zynisch" bezeichnet der Rezensent Gunnar Heinsohns Folgerung, generell Hilfsleistungen in Krisengebiete der so genannten Dritten Welt zu stoppen und damit die Kinderproduktion zu beschränken. («Söhne und Weltmacht» – Gunnar Heinsohn, Orell Füssli Verlag, Zürich 2003, ISBN 9783280060087). Das Buch ist vergriffen; steht aber als PDF-Download zur Verfügung. Ebenso als Hörbuch.

«Wer den Wind sät» – Was westliche Politik im Orient anrichtet

Michael Lüders beschreibt die westlichen Interventionen im Nahen und Mittleren Osten seit der Kolonialzeit und erklärt, was sie mit der aktuellen politischen Situation zu tun haben. Sein neues Buch liest sich wie ein Polit-Thriller – nur leider beschreibt es die Realität. Eine Geschichte erscheint in unterschiedlichem Licht, je nachdem, wo man beginnt sie zu erzählen. Und wir sind vergesslich. Das iranische Verhältnis zum Westen versteht nur, wer den von CIA und MI6 eingefädelten Sturz des demokratischen Ministerpräsidenten Mossadegh im Jahr 1953 berücksichtigt. Ohne den Irakkrieg von 2003 und die westliche Politik gegenüber Assad in Syrien lässt sich der Erfolg des „Islamischen Staates“ nicht begreifen. Wer wissen will, wie in der Region alles mit allem zusammenhängt, der greife zu diesem Schwarzbuch der westlichen Politik im Orient. («Wer den Wind sät» – Michael Lüders; C.H. Beck Verlag, ISBN 978 3 406 677 49 6)

Wer den Wind sät

IT News

IT News

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste wollen ein eigenes Mobilfunknetz aufbauen, um bei Katastrophen und Grossanlässen sicher Daten übertragen zu können. Die dafür benötigten Frequenzen sind auch bei privaten Anbietern begehrt.

Samstag, 12. August 2017, 15 Uhr 30: Die 26. Street Parade ist in vollem Gang, als in der Nähe des Bürkliplatzes ein Love Mobile Feuer fängt. Als ob die Rettung in den Menschenmassen nicht schon Herausforderung genug wäre, kämpfen Polizei, Feuerwehr und Ambulanzen mit weiteren Problemen. Die Einsatzführungssysteme und teilweise auch die Alarmierung funktionieren nämlich ausschliesslich über die zivilen Handynetze. Doch diese waren durch die fast eine Million Raver und Schaulustigen bereits vorher überlastet und brechen nun ganz zusammen. Die Smartphones, Tablets und Notebooks, die die Einsatzkräfte für die Datenübertragung verwenden, sind nicht brauchbar.

Grenzwacht im Mobilfunkloch

So sieht ein Albtraum-Szenario aus, mit dem sich Peter Folini befassen muss. Er gehörte lange der Kantonspolizei Zürich an und leitet nun im Rahmen des Projekts Harmonisierung der Schweizer Polizeiinformatik das Ressort Telematik Bund/Kantone. Doch nicht nur bei Grossveranstaltungen ist die Kommunikation über Mobilfunk teilweise nicht möglich. Zudem ist nicht die gesamte Fläche der Schweiz durch kommerzielle Datendienste erschlossen. «So ist auf mehreren wichtigen Achsen, wo das Grenzwachtkorps häufig unterwegs ist, die Handyversorgung ungenügend oder gar nicht vorhanden», nennt Folini ein Beispiel aus den täglichen Erfahrungen. Dazu kommt, dass bei einem Stromausfall die kommerziellen Handynetze nach rund 20 Minuten ausfallen.

Diese Sicherheitslücke, die auch bei Terroranschlägen, Naturkatastrophen und Cyberattacken besteht, könnte geschlossen werden. Dies, indem die Blaulichtorganisationen auf ein eigenes Mobilfunknetz oder zumindest punktuell auf eigene Sendemasten zurückgreifen können. Dass dieses Prinzip in der Praxis funktioniert, hat die Zürcher Kapo zusammen mit Schutz und Rettung Zürich anlässlich der Street Parade 2016 getestet. Beim Bahnhof Stadelhofen und in der Nähe der Verkehrsleitzentrale Milchbuck bauten sie mit Unterstützung der Swisscom zwei eigene Masten auf. «Das Resultat war absolut frappant», stellte Folini fest. Über die eigenen Sender wurden Daten zehn Minuten früher übermittelt als über das überlastete Swisscom-Netz. Einen ebenfalls erfolgreichen Feldversuch führte gemäss Folini die Kantonspolizei St. Gallen mit der Firma BLUnet beim St. Galler Fest durch.

«Frequenzen retten Leben»

Gegenwärtig planen Bund und Kantone, unter dem Namen «drahtlose Breitbandkommunikation» (dBBK) eine parallele Mobilfunkinfrastruktur aufzubauen. Dafür wären Investitionen von rund 55 Millionen Franken nötig. Das System soll – dort, wo Bedarf und finanzielle Mittel vorhanden sind – stufenweise realisiert werden, indem sich die Kantone nach und nach anschliessen. Interesse zeigen vor allem Kantone mit grossen Ballungsgebieten. Eine wichtige Voraussetzung gibt es allerdings, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in einem Bericht festhält: «Von strategischer Bedeutung ist die Sicherstellung der für die Umsetzung von dBBK benötigten Frequenzressourcen.»

Und solche Ressourcen werden bald frei. Die Schweiz will nämlich das 700-Megahertz-Band liberalisieren. Sie schliesst sich damit einem Beschluss der EU-Kommission an. Die schwedische Regierung hat das Potenzial dieser Frequenzen für die Sicherheitsorgane erkannt. Im letzten Moment stoppte sie im vergangenen November die geplante Versteigerung an kommerzielle Anbieter. Unter dem Motto «Frequenzen retten Leben» machten sich auch in Deutschland Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste für ein eigenes Netz stark. Vergeblich. Dort wurden die Frequenzen auf dem freien Markt an die drei grossen Anbieter Telekom, Vodafone und Telefónica versteigert. Den Sicherheitsdiensten wurden nur Frequenzen in Lücken und Randbereichen zugewiesen.

In der Schweiz liegt der Entscheid beim Bundesrat, ob das ganze Spektrum auf den freien Markt kommt oder ob wesentliche Teile für die Sicherheitsorgane reserviert werden. Entscheidet sich die Landesregierung für den Aspekt Sicherheit, würde die Versteigerung für die kommerziellen Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt unattraktiver. Gegenüber dem Branchenmagazin «Netzwoche» erklärte Sunrise-CEO Olaf Swantee, dass für sein Unternehmen das 700-MHz-Band grundsätzlich interessant ist.

Neben den Blaulichtorganisationen drängen die Städte darauf, dass mit den frei werdenden Frequenzen ein drahtloses Breitbandnetzwerk realisiert wird. So schreibt die Konferenz der Städtischen Sicherheitsdirektorinnen und -direktoren in einer Stellungnahme, «dass die Sicherstellung des für dBBK benötigten Frequenzspektrums zentral ist». Das Bundesamt für Kommunikation hält auf Anfrage fest, dass eine allfällige Vergabe gegen Ende 2018 stattfinden wird. Der Ball liegt nun beim Bundesrat, der die Nutzung im Nationalen Frequenzzuweisungsplan festlegen muss.

Quelle: NZZ

27.5.2017

Sommerloch-News – Mitten im Sprühling

Sommerloch-News – Mitten im Sprühling

Alles wird sorgfältig aufbewahrt: Die gesammelten Unterlagen füllen mehrere Ordner

Seit zwölf Jahren streitet Giuseppe Grasso mit seinem Nachbarn. Der Grund: die Sandsteinmauer in seinem Haus. Ständig tropft es hinein, obwohl es gar nicht regnet. Der Italiener sieht seinen Nachbarn auf dem Grundstück oberhalb als Schuldigen.

Er fährt mit seiner Hand sanft über eine feuchte Stelle an der Wand. Draussen scheint die Sonne, an der Sandsteinmauer von Giuseppe Grasso (55) in Weinfelden TG tropft es trotzdem. An manchen Tagen gibt es in seinen vier Wänden gar Regenfälle zu bestaunen. «Ich verliere langsam den Glauben an den Rechtsstaat», beklagt sich der Hausbesitzer. Denn offiziell trägt niemand die Schuld am Wasserschlamassel.

Wegen des nassen Problems zofft sich Grasso seit 2005 mit seinem Nachbarn Peter F.* Der Italiener erklärt: «Sein Grundstück liegt oberhalb meines Hauses. Er hat vermutlich kaputte Leitungen im Boden, ausserdem lässt er manchmal seinen Gartenschlauch stundenlang laufen!» Dieses Wasser sickere dann durch die Sandsteinmauer in sein Haus und verursache stets neue Schäden. Kurios: Wenn es draussen regnet, bleibt die Mauer jeweils trocken. Der feuchte Ärger kommt stets zu untypischen Zeitpunkten, beispielsweise im Hochsommer.

500'000 Franken Kosten wegen einer Mauer

Obwohl Grasso seit über einem Jahrzehnt die Gerichte bemüht, wurde die Schuld des Nachbarn nie juristisch festgestellt. Zwar gibt es Gutachten, die eine menschliche Ursache für die Wassereinbrüche vermuten – den Richtern reichte das bislang aber nicht als Beweis.

Eine halbe Million Franken hat Grasso für den Streit in den Sand gesetzt: 300'000 Franken für Umbaumassnahmen in seinem Haus, weitere 200'000 Franken für die Prozesse gegen den Nachbarn – erfolglos!

Es sei höchste Zeit, dass sich Experten der Behörden seinem Problem annehmen: «Ich kann damit einfach nicht leben. Die ständigen Wassereinbrüche sind eine riesige Belastung für mich», so Giuseppe Grasso. Aufgeben steht für den Ex-Beizer nicht zur Debatte: Er bereitet derzeit eine neue Beschwerde beim Bundesgericht vor – in der Hoffnung, dass sein Verfahren nochmals aufgenommen wird.

Nachbar Peter F. verweist auf die eindeutigen Urteile

Grasso sieht darin die einzige Möglichkeit, seinen Nachbarn zu bremsen und die Wassereinbrüche zu stoppen. «Er geniesst sein Leben und macht mir meines kaputt!», wettert der Kläger. Darum könne er die Sache niemals auf sich beruhen lassen.

Peter F. war für eine Stellungnahme auch nach mehreren Kontaktversuchen von BLICK nicht zu erreichen. In der Vergangenheit liess er jedoch verlauten, die zahlreichen Gerichtsurteile würden für sich sprechen.

*Name der Redaktion bekannt

Quelle: Bligg

27.5.2017

Die Tyrannei des Kindischen – TIPP vom Doktor

Zu diesem typischen Sommerlochthema mitten im Altweibersommer empfehle ich Ihnen folgendes Buch:

«Die kindliche Gesellschaft» von Robert Bly

Ihr Dr. Luzart

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